Wasserdrama

Anhaltender Defekt an der Wasseranlage

Für den Einsatz in Wohnmobilen gibt es zwei Arten von Wasserpumpen: Tauchpumpen und Druckpumpen.

Tauchpumpen werden in den Tank gelegt und können Wasser nicht über einen längeren Weg ansaugen, sondern nur fördern. Sie sind günstig, leise und leicht. Die Installation ist sehr einfach, aber es werden Wasserhähne mit Mikroschalter benötigt, der beim Öffnen des Wasserhahns die Pumpe einschaltet. Eine Verwendung von Haushaltsarmaturen ist nur mit Tricks möglich, da diese über keinen An-Aus-Schalter verfügen. Außerdem reicht der Druck dieser Pumpen nicht aus, um das Wasser durch Reinigungsfilter zu pressen.

Druckpumpen sitzen außerhalb des Tanks. Sie sind teurer, wesentlich schwerer und lauter als Tauchpumpen, dafür aber deutlich kräftiger und können Wasser auch ansaugen. Sie erreichen einen höheren Leitungsdruck für die Verwendung mit Filtern und sind kompatibel mit Haushaltsarmaturen. Es handelt sich meist um Membranpumpen, die über eine Ventilsystem in vier Arbeitstakten Ansaugen und Drücken steuern. Druckpumpen verfügen über einen integrierten Druckschalter, der die Pumpe automatisch aktiviert, wenn der Wasserdruck abfällt (Hahn auf), und sie abschaltet, sobald der Solldruck erreicht ist (Hahn zu).

Wir haben eine Druckpumpe verbaut. Sie liefert einen Druck von 2,1 bar und ist damit ausreichend, um das Wasser noch durch einen Keramik- und einen Aktivkohlefilter zu drücken. Um Funktionsstörungen durch kleine Fremdkörper zu verhindern, ist ein kleiner Vorfilter installiert, wie er vom Pumpenhersteller verpflichtend vorgeschrieben ist.

Das Wasser wird von oben über einen Schlauch, der im Tank bis zum Grund geführt wird, entnommen. Grundsätzlich wäre auch eine Entnahme von unten möglich, aber es bestünde dann die Gefahr, bei Undichtigkeit der Anschlüsse den gesamten Wasservorrat zu verlieren. Die Entnahme von oben setzt hingegen eine funktionierende Wasserpumpe voraus. Ist die Pumpe defekt, könnten wir keinen Tropfen Wasser zapfen.

Die Wasserpumpe ist also das Herzstück unserer Frisch- und Trinkwasserversorgung, und deshalb führen wir sicherheitshalber eine Ersatzpumpe mit uns.

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Unsere Pumpensteuerung.

Eine Druckpumpe schaltet automatisch ein, wenn der Wasserdruck abfällt (Hahn auf). Sie erkennt aber nicht den Unterschied, ob ein Hahn geöffnet oder aber ein Schlauch geplatzt ist – in beiden Fällen würde sie Wasser fördern. Wäre man abwesend, wenn ein Schlauch platzen sollte, könnte sich Wasser ins Fahrzeuginnere ergießen, bis der Wassertank leer ist. Anschließend würde die Pumpe trocken laufen und entweder nach ein paar Minuten defekt sein oder so lange laufen, bis die Batterie leer ist. Es ist wie Skylla und Charybdis, beides will man nicht haben. Das Platzen eines Wasserschlauchs in Abwesenheit gehört somit zu den schlimmsten Vorstellungen eines Campers. Wohnmobile mit Druckpumpe haben deshalb immer einen Pumpen-Hauptschalter, der sich oft in der Nähe der Eingangstür befindet und meistens so auffällig ist, dass man beim Verlassen des Wohnmobils an das Abschalten der Pumpe denkt. Ich habe schon Selbstausbauten mit einem dicken roten Buzzer gesehen, damit man beim Verlassen des Wohnmobils nur ja nicht vergisst, die Pumpe auszuschalten. Schön ist das nicht und passt schon gar nicht zu meiner ästhetische Gesamtvorstellung. Und weil es mit dem Dran-Denken bei zunehmendem Alter ja auch nicht unbedingt besser wird, hatte ich die Idee, den Strom für die Pumpe über eine Zeitsteuerung automatisch abzuschalten. So befindet sich bei jedem Wasserhahn ein kleiner Taster, mit dem eine Elektronik gestartet wird, die nur für eine bestimme, einstellbare Zeit den Strom für die Pumpe einschaltet. Nur während dieser Zeit kann sich die Pumpe beim Öffnen eines Wasserhahns einschalten.

ursprünglicher Schaltplan der Wasserpumpe

 

Des Dramas erster Teil.

Das hatte wunderbar funktioniert. Bis vor Kurzem.

Bereits seit einiger Zeit bemerkten wir, dass die Wasserpumpe nach dem Schließen eines Wasserhahns nicht wie gewohnt sofort abschaltete, sondern länger nachlief. Eine Undichtigkeit im Leitungssystem konnte wir als Ursache ausschließen. Eher vermuteten wir, dass die beiden Filter langsam verstopft sein dürften und es beim Pumpen eine gewisse Elastizität vor und hinter den Filtern gab: der Wasserdurchfluss durch die Filter wurde sukzessive weniger und dauerte länger, weshalb sich der Druckaufbau beim Schließen des Wasserhahns verzögerte und die Pumpe später abschaltete.

Die Erklärung erwies sich auch in der Folge als plausibel. Wir nahmen diesen Effekt erst mal in Kauf, bis wir uns neue Filterkartuschen nach Frankreich schicken lassen könnten.

So weit, so gut. Eines Tages roch es dann verschmort aus unserer Elektrokiste, und ich hatte zunächst den relativ neuen Solarladeregler in Verdacht, der bei den ersten Sonnenstrahlen des Jahres zum ersten Mal zeigen musste, was er konnte, und dabei vielleicht noch ein wenig Fabrikgeruch verströmte. Aber es stellt sich schnell heraus, dass der fiese Geruch vom Elektronik-Baustein für die Zeitsteuerung stammt, welche durchgebrannt war.

Die nominelle Schaltleistung der Elektronik war grundsätzlich ausreichend für die angeschlossene Pumpe, aber der kräftige Pumpenmotor erzeugte beim Abschalten wohl schädlichen Rückstrom, der nach meiner Einschätzung zum langsamen Sterben der Elektronik geführt hatte.

Zum Glück führten wir Ersatz für die Elektronik mit uns und konnten den defekten Baustein rasch 1:1 ersetzen. Um die neue Elektronik künftig vor Rückströmen zu schützen, schaltete ich ein Relais hinter den Schaltkontakt, das die Elektronik vor den hohen Abschaltströmen der Wasserpumpe schützen sollte.

 

Des Dramas zweiter Teil.

Damit hätte das Problem gelöst sein können. Aber schon nach wenigen Tage war auch die neue Elektronik durchgebrannt – trotz Verwendung des Relais. Wie sich herausstellte, konnte wegen der speziellen Verschaltung immer noch ein Rückstrom von der Wasserpumpe in die Elektronik gelangen und die Elektronik erneut zerstören.

Ein weiteres Ersatzteil gab es nicht mehr, und so demontierte ich die gesamte Zeitsteuerung und verdrahtete die Pumpe direkt. Beim Schlafengehen oder beim Verlassen des Zirkuswagens mussten wir nun wie alle anderen daran denken, sicherheitshalber den Pumpenhauptschalter zu betätigen.

 

Des Dramas dritter Teil.

Aber auch das war es noch lange nicht. Es dauert wiederum nur wenige Tage, bis die Pumpe nicht nur nachlief, sondern gar nicht mehr abschaltete, weil sie den erforderlichen Druck dafür nicht mehr aufbauen konnte. Nun brauchten wir unsere Ersatzpumpe. Ein solches wichtiges Ersatzteil verbaut man nicht gern – haben ist besser als brauchen. Und da wir die Ursache ja immer noch nicht richtig eingegrenzt hatten, bestand die Gefahr, dass auch diese Pumpe schnell kaputt gehen könnte. Was aber wäre dann, weiteren Ersatz hätten wir nicht dabei? Aber es half nichts, die Ersatzpumpe musste dafür verwendet werden, wofür wir sie mitgenommen hatten: als Ersatz für die defekte Pumpe.

Beim Einbau ging überflüssigerweise noch der Vorfilter, ein nicht sehr robustes Kunststoffteil, kaputt. Hierfür hatten wir nun keinen Ersatz mitgeführt, aber es würde wohl für ein Weilchen auch ohne diesen Vorfilter funktionieren.

Langsam wuchs die Liste der Ersatzteile, die wir uns von unserem Sohn nach Frankreich schicken lassen wollten: neue Elektronik, neue Filterkartuschen, neue Ersatzpumpe, neuer Vorfilter.

Als die Ersatzpumpe verbaut war, funktionierte alles erst mal wieder. Bei jedem Wasserzapfen lauschten wir aufmerksam, ob und wie lange die Pumpe nachläuft. Im Grunde war alles unverändert, was wir inzwischen eindeutig auf die zunehmend zugesetzten Filter zurückführen mussten. Aber die Pumpe schaffte es ja, noch Wasser durch die Filter zu drücken, weshalb uns eine schlechter Filterwirkung lieber war als keine.

 

Des Dramas vierter Teil.

Die aktuelle Verdrahtung der Wasserpumpe war nur noch sehr rudimentär – Anschluss an Stromkreis und Hauptschalter, kein sonstiger Firlefanz. Und trotzdem konnte noch etwas kaputt gehen. Die hohen Schaltströme, hervorgerufen durch den starken Druck der Pumpe gegen den Widerstand der Filter, bestanden ja nach wie vor und bewegten sich offensichtlich zunehmend im kritischen Bereich. Erst brannten zwei Sicherungen durch, dann – nach nur wenigen Tagen des Gebrauchs – der Druckschalter in der neuen Pumpe. Das Bauteil war sicherlich grundsätzlich ausreichend, aber nicht für diese Belastung ausgelegt.

Langsam war guter Rat teuer. Nun blieb als letzte Lösung nur noch, den intakten Druckschalter aus der alten, ansonsten nicht mehr funktionierenden Pumpe auszubauen und mit ihm die gerade erst eingebaute Ersatzpumpe zu reparieren. Da es unübersehbar war, dass die zugesetzten Filter die indirekte Ursache all dieser Schäden waren, bauen wir endlich auch die Filter aus und verzichteten von nun an auf gefiltertes Wasser.

Die Pumpe lief ohne Probleme. Wir hatten keine Elektronik mehr, eine neue Pumpe, keinen Vorfilter, wieder den alten Druckschalter und keine Wasserfilter. Na toll!

In der Zwischenzeit hatten wir die alte Pumpe zerlegt, um festzustellen, ob wir die gesamte Pumpe als Ersatzteil neu bestellen müssten oder eventuell nur den Pumpenkopf ohne Motor. Die Pumpe wurde komplett auseinandergenommen, gründlich gereinigt und wieder zusammengebaut. Im Innern der Pumpe hatte sich über die Jahre eine Schleimschicht gebildet, die dafür gesorgt haben dürfte, dass die Membranen und Ventile in der Pumpe nicht mehr richtig abdichteten und die Pumpe – verbunden mit den anderen Problemen – nicht mehr genügend Druck aufbauen konnte.

 

Des Dramas fünfter Teil.

Und, lief es? Leider nein! Obwohl die Ersatzpumpe das Wasser nun nicht mehr durch die Filter drücken musste, baute sie auch diese Pumpe nach kurzer Zeit keinen ausreichenden Druck mehr auf und schaltete nicht mehr automatisch ab. Wie empfindlich die Membranen und Ventile auf Verunreinigungen reagieren, wussten wir vom Zerlegen der alten Pumpe, wo Schleimablagerungen ausreichten, um die Funktion zu stören. Da wir die neue Pumpe ohne Vorfilter betreiben mussten, waren nun vermutlich kleine Partikel aus dem Wassertank in die Pumpe gelangt und hatten die Dichtigkeit der Membranen und Ventile beeinträchtigen.

Also haben wir die neue Pumpe wieder ausgebaut, den zuvor aus der alten Pumpe in die neue Pumpe getauschten Schalter wieder in die alte Pumpe zurückgebaut und die alte, zwischenzeitlich ja gereinigte/reparierte Pumpe wieder eingebaut.

Um erneute Probleme durch Verunreinigungen zu vermeiden, brauchten wir aber unbedingt noch einen Vorfilter. Und tatsächlich hatten wir einen dabei, wenn auch nicht ganz passend. Für den hypothetischen und eher camper-romantischen Fall, dass wir mal Wasser aus einem Bach oder See entnehmen müssten, führten wir noch einen Vorfilter mit Gardena-Anschlüssen mit uns, den man an den Einfüllschlauch stecken konnte. Blöderweise passen auf das Gardena-System üblicherweise Schläuche mit 12 mm Innendurchmesser, während unser Wassersystem mit 10 mm Schläuchen aufgebaut ist. Wir mussten deshalb ein Reststück des 10 mm Schlauchs so stark weiten, dass er auf Gardena-Schlauchkupplungen passt, welche wir zuvor von einem unserer Befüllschläuche abgenommen hatten. Mit den so hergestellten Adaptern konnten wir eine Verbindung zwischen dem Vorfilter und unserer Wasserpumpe herstellen und hatten nun doch noch einen Vorfilter.

 

Schluss.

Und seitdem lief es! Es sollte noch einen ganzen Monat dauern, bis die fehlenden Ersatzteile bei eins eintreffen würden. Das System aber lief von nun an tadellos.

 

Als das Paket mit den Ersatzteilen eintraf, wurde das Provisorium zurückgebaut, der original dafür vorgesehene Vorfilter wieder verbaut, eine neue Steuerelektronik – diesmal schon mit fest eingebautem Relais – eingebaut und eine Sperr-Diode zum Schutz vor Rückströmen .

Auf den Mikrofilter verzichten wir aktuell und verwenden nur den Aktivkohlefilter. Angesichts der Wasserqualität, die wir bislang vorgefunden haben, sollte das ausreichen, und angesichts des hohen Kalkgehalts des hiesigen Wassers wäre der Mikrofilter wohl schon bald wieder der Anfang eines neuen Dramas.

 

Diese Kaskade von Defekten und Ausfällen rührte allein daher, dass wir ignoriert haben, die Filter beizeiten zu wechseln. Wir hatten nicht mal Ersatz für die Filter dabei, obwohl wir ansonsten an so viele Ersatzteile gedacht hatten. Aus Schaden wird man klug. Filter haben wir jetzt im Vorrat. Die neue Pumpe wurde mit einem neuen Schalter versehen und liegt nun wieder als Ersatzteil in der Kiste. Und einen Elektronikbaustein haben wir ebenfalls wieder in Reserve. All dies werden wir hoffentlich so bald nicht wieder benötigen.

neuer Schaltplan der Wasserpumpe

 

Das Drama im Zeitraffer…

 
Für heute war es das. 
Immer hübsch frei bleiben!

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3 Kommentare

  1. Julio Rego sagt:

    Wow, what a nightmare Peter. I’m wondering if the water system would benefit from having an accumulator tank to prevent the the pump pressure switch having to trip on and off so often. Anyway, take care Peter and Beate, safe and happy travels !!

    • Peter sagt:

      Hi Julio, the pressure switch had been working fine for a long time and should be sufficient if the filters are changed on time… Perhaps you’re right that a pressure tank would reduce the switching times. I thought pressure tanks were primarily used to increase comfort and achieve a more consistent water flow, but our pump already does that quite well with a bypass system. I hope that my modifications (relay + diode), combined with timely filter changes, will solve the problem for the future.
      Regards Peter

      Incidentally, we received two replacement switches for free from the pump manufacturer, Lilie.

  2. Julio Rego sagt:

    Hi Peter, your modifications sound excellent! I’m sure you will be problem free going forward now once everything settles. We are in Roquebrune-sur-Argens at the moment. It’s lovely here close to the beach but the water is freezing for a swim 🥶. Happy travels!!

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